Sonst haben wir ja immer ein eigenes 4er-Abteil gebucht, aber wir wollten auch mal erfahren, wie so eine Fahrt im offenen Abteil in der Wagenkategorie „Platzkart“ ist. Es gibt da zwar Trennwände, die den Waggon in 6er-Abteile unterteilt, doch führt ein offener Gang durch diese Abteile. Man hat also wenig Privatsphäre. In Krasnojarsk wurde unser Wagen frisch an den Zug angekuppelt, was zu einigen Verwirrungen am Bahnsteig führte. Unsere Fahrt begann am frühen Nachmittag und so konnten wir noch einige Zeit die vorbeiziehenden Birken zählen. Zwei-drei Bahnhöfe später stiegen noch eine Frau mit ihrem Sohn zu und komplettierten unser 6er-Abteil. Viele gingen schon früh schlafen, während wir noch Karten spielten.

Am nächsten Morgen wurde Max durch die aufgehende Sonne geweckt. Das war ein grandioser Blick, wie die glutrote Sonne so knapp über dem Horizont stand und weiter aufging. Während des Frühstücks bemerkten wir, dass unser Zug über die Nacht satte 90 Minuten Verspätung gesammelt hatte. Sofort legte sich unsere Hektik und wir gingen in den Chill-Modus über.

Angekommen in Irkutsk trennten sich wieder unsere Wege. Julius hatte ein Meeting in der örtlichen Universität (von wegen Urlaub^^) und Torsten, Jan und Max erkundeten die Stadt ohne ihren Reiseleiter.


Mit der Straßenbahn sind die drei dann in die Innenstadt gefahren und haben sich ein Café für ihr zweites Frühstück gesucht. Ohne Julius lief die Verständigung zwar etwas schleppender, aber doch ausreichend. Die Leute hier sind freundlich und helfen einem bereitwillig weiter, wenngleich ihre Mienen etwas düster sind. In der Touristinformation gab es neben Tipps, welche Orte besonders sehenswert sind, auch die Möglichkeit, das die Rucksäcke abzustellen. Mit einer kleinen Karte bewaffnet stolperten die drei Glücksritter entlang einer grünen Linie, die auf dem Boden aufgemalt war und Touristen den Weg entlang der Sehenswürdigkeiten weist.

Ohne Julius passierten die drei begrünte Balkone, den Zirkus und schöne Kirchen. Außerdem hat Irkutsk sehr viel „wooden archtitechture“, also Holzarchitektur. Die Verzierungen der Holzhäuser ist sehr zahlreich und sehenswert, leider sind die Häuser häufig in einem Zustand, der dringend einer Reparatur/ Restauration bedarf.






Durch Irkutsk fließt die Angara. Das ist der Abfluss des Baikalsees. Dort angekommen, gönnten sich die drei ein Eis und liefen weiter durch die Innenstadt. Julius‘ Meeting war vorüber und so guckten wir, das wir uns zeitnah treffen konnten, um gemeinsam zum Busbahnhof zu gehen. Von dort sollte nämlich der Mini-Bus zum Baikalsee fahren. Aber vorher guckten wir uns noch den örtlichen Nahverkehr genauer an und führen im Umweg zurück zur Touristinformation, um unsere Rucksäcke aufzusammeln. Eine Straßenbahnfahrt kostet in Irkutsk übrigens nur 15 Rubel pro Person, also 20ct.


Die Fahrt im Mini-Bus war alles andere als gewöhnlich. Selten haben wir uns so sehr nach einem Dreipunkt-Sicherheitsgurt gesehnt. Wir saßen leider genau über der Hinterachse und jede Bodenwelle sendete einen knuffenden Gruß an die Wirbelsäule. Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinen in Russland höchstens eine nett gemeinte Empfehlung zu sein und nicht nur in Kurven sondern auch auf Kuppen und in Senken kam Achterbahn-Feeling auf. Aber was soll man bei umgerechneten 3,20 € Fahrpreis auch sagen? Gut, dass wir heil ankamen. #yolo
In Listwjanka angekommen gingen wir zu Olga, die zwei Zimmer mit je zwei Betten für Rucksack-Touristen bereit hält. Nachdem wir unsere Sachen dort abgelegt hatten, spazierten wir nochmal zum Ufer und der Baikalsee belohnte uns mit einem atemberaubend Sonnenuntergang.

/mf
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