Alltag im Zug

Aktuell sitzen wir in unserer Unterkunft, in der wir zusammenhängend die längste Zeit verbringen: Wir sitzen im Zug von Ulan-Ude nach Wladiwostock. Hier schlafen, essen, chillen wir auf ~3,5 qm, die uns unser Coupé gibt. Zwischendurch wenn der Zug an einer Station hält, vertreten wir uns die Beine auf dem Bahnsteig und putzen unser Abteilfenster von außen, um klare Sicht auf die sibirische Landschaft zu haben. Da wir nahezu jeden Tag auf Reisen die Zeitzone wechseln, orientiert sich der Tagesablauf eher an den Halten an den Bahnhöfen als an unserer inneren Uhr.

Ist der planmäßige Aufenthalt an den Stationen länger als 10 Minuten, lohnt sich der Ausstieg und man kann von den Läden und Leuten am Bahnsteig Eis, Tütensuppennudeln, Früchte, Fisch, Wasser, Säfte und Süßigkeiten kaufen. Wir haben unseren Proviant schon vor der Abfahrt eingekauft, aber trotzdem reizt es mich, in den Büdchen was zu kaufen. Eis geht immer, auch wenn man in Russland nicht von einer durchgehenden Kühlkette ausgehen kann.

Kinderwagen als Tisch
Büdchen am Bahnsteig

Vom Fisch, der auf den zu fahrbaren Tischen umgebauten Kinderwägen angepriesen wurde, habe ich mich nicht getraut zu essen. Notwendig ist es ohnehin nicht, da wir uns ein Frühstück und ein Abendessen zur Fahrkarte hinzu gebucht haben.

Leider hat sich dieses Essen als Flop herausgestellt. Nicht nur, dass man zu jeder Mahlzeit eine Menge an Plastik (Verpackung, Besteck, Assiette) bekommt, auch ist das russische Essen sehr fleisch- und buchweizenhaltig. Für Torsten gibt es eine vegetarische Version. Meist ist es Kraut. Auch für das Frühstück hatten wir eine vegetarische Alternative zu unserem Griesbrei (gestern) bzw. Omelett (heute), nämlich Krautsalat (gestern) bzw. Buchweizen mit Pilzen (heute). Was an Omlett (ohne Schinken!) oder Griesbrei nicht vegetarisch ist, wurde uns nicht klar…

Die Mahlzeiten werden uns zu sehr krummen Zeiten ohne Vorankündigung ins Abteil geliefert: Frühstück halb zehn und Abendessen um halb sechs. Für Tage, an denen man ohnehin nicht viel machen kann und sich der Tagesrhythmus nach hinten verschiebt, ist das schon früh.

Als „Notrationen“ haben wir Porridge und Tütensuppennudeln dabei, was wir mit heißem Wasser aus dem Samovar übergießen. Jeder Waggon hat einen Samovar vorn beim Schaffner-Abteil, aus dem man sich jederzeit kostenlos fast kochend heißes Wasser zapfen kann. So etwas hätte ich in Deutschland gern auch. Diese Tee-Kultur gefällt mir. Auf die Tütensuppennudeln kann ich verzichten.

Kohlegefeuerter Samovar

Zur Morgen- und Abendtoilette stehen dem gesamten Waggon zwei Klo-Abteile mit Waschbecken zur Verfügung, die in diesem Zug wirklich sehr sauber sind. Zähne putzen wir trotzdem weiterhin mit dem gekauften Trinkwasser. Wenn man duschen möchte, muss man drei Wagen weiter gehen, dort gibt es eine Dusche, die man gegen ein geringes Entgelt nutzen kann. Das probiere ich nachher mal aus.

Die Dusche: klein, aber fein
Das Resultat: ein sauberer Max

Der Begriff „Schlafenszeit“ ist im Zug relativ zu betrachten. Gestern Abend konnten wir noch beim Blockbuster-Film im Nachbarabteil zuhören und heute ist tagsüber mehr richtig Stille.

/mf

PS: Julius und ich waren vorhin zum Mittagessen mal im Speisewagen. Das war sehr angenehm und wir quatschten noch mit einem deutsch-russischen Pärchen und einem Touristen aus Ägypten.

lecker Soljanka

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